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NetArt: Tipps (I)

Thomas Dreher


in English

Tipps:

Die Liste der Tipps enthält in Klammern Indices, welche die Art der Medien- und Funktionenkombination dieser Projekte bezeichnen.
Schlüssel der Indices

Sammeltipps:

  • Sammeltipp 1-3: Interaktive Stadterfahrung mit digitalen Medien (Internet, Mobiltelefon und Locative Media)
    (Juni 2005 - November 2009)
  • Sammeltipp 1: Stadterfahrung mit ortssensitiven Medien (Mapping), Teil 1, Teil 2 und Teil 3
    (Juni 2005/ Dezember 2005/ Juni 2006/ November 2006/ September 2007)
  • Sammeltipp 2: Spiele im Stadtraum (Pervasive Games), Teil 1, Teil 2 , Teil 3 und Teil 4
    (Oktober 2005/ Dezember 2005/ Juni 2006/ Januar 2007/ Juni 2008)
  • Sammeltipp 3: Fassaden und Telepräsenz (Installationen), Teil 1 und Teil 2
    (Juni 2006/ Januar 2007/ November 2009)

Kurztipps:

  • Kurztipps in chronologischer Folge: NetArt: Tipps (II)
  • Kurztipps in alphabetischer Folge:

  • Dan Albritton/Marcos Weskamp: Newsmap, 2004: Der Visualisierungsalgorithmus des Programms Treemap (Ben Shneiderman u.a., Human Computer Interaction Lab, University of Maryland, ab 1990) wird in "Newsmap" zum Mapping von Google News eingesetzt. Nachrichten mit vielen "related articles" erhalten größere Rechtecke, die Links zu einer der von Google News erfassten Nachrichten enthalten. Die hierarchische Struktur von großen Rechtecken links oben zu kleinen Rechtecken rechts unten stammt von "Treemap" und dient in "Newsmap" dazu, die Häufigkeit der Meldungen über dasselbe Ereignis anzuzeigen. Die Farben der Rechtecke markieren Nachrichtenarten wie Wirtschaft, Technik oder Sport. Die Wahl der Länder (und Sprachen, siehe Leiste oben), der Nachrichtenart und des Datums (unten) ermöglichen es, Subkarten aufzurufen (Treemap, Flash. 6/2007).
  • Newsmap, 24.6.2007

  • and-or (René Bauer/Beat Suter): Laichenberg (defect3) – fraq spawn, 2010: Der/die SpielerIn des als Application abladbaren Ego-Shooters wird in einem Bunkersystem mit Soldaten konfrontiert. Der Versuch möglichst viele Soldaten zu töten, muss nicht gelingen, da VerlierInnen an den Kampfort zurück versetzt werden und sie inmitten der gefallenen Gegner weiter spielen können. Die Eigenheiten der Spielprogrammierung provozieren bei Spielhandlungen wie den Bewegungen der Gegner und dem Gewehrfeuer Verfremdungseffekte statt realitätsnahe Simulation. Schließlich findet sich der/die SpielerIn unfähig, den selbst erzeugten Leichenberg zu übersteigen. Das Spiel stellt mit der Selbstbehinderung des/der SpielerIn und der Unterwanderung der Realismusanforderung die Computerspielgattung Ego Shooter und deren Militarismus in Frage (6/2013).
  • Laichenberg (defect 3) - fraq spawn

  • and-or (René Bauer/Beat Suter)/Auer, Johannes: searchSonata 181, 2010: Aus Eingaben von BesucherInnen der Website und Zufallsselektionen aus aktuellen Sucheingaben in Bing bildet der Poetikgenerator einen "Words-Pool". Ein automatisierter Passwortgenerator folgt dem FIPS (Federal Information Processing Standard) 181, der ein Programmierverfahren zur Erzeugung von Passwörtern mittels eines ebenfalls in einem Standard festgelegten Zufallsgenerators (FIPS PUB 197) beschreibt. Diese Passwörter sollen komplex genug sein, um nicht geknackt werden zu können, aber auch aus "simple pronouncable syllables" bestehen. In Performances werden die generierten Buchstabenfolgen verlesen, die keine geringen Anforderungen an Vortragende stellen. Über Videodokumentationen kehren diese Vorträge in die Netzwelt zurück (6/2013).
  • searchSonata 181

  • Ian Andrews: Ether-1, 2002: Der Index für audiovisuelle Flash-Animationen simuliert die Sendersuche im Radio. Die Radioskala der Wellenfrequenz ist durch eine vertikale Skala der Größe der Dateien in kBytes ersetzt. Die Animationen nehmen Aspekte der musikalischen, literarischen und künstlerischen Avantgarde auf. Das Interface weist auf das Massenmedium Radio, das in den Anfängen dieser Avantgarden neben Zeitung und Film vorherrschend war. Die Abstufung der kB-Skala von links nach rechts gibt die Anforderung an die Kapazität des Mikroprozessors wieder, mit der die Animationszeit unverzerrt wiedergegeben werden kann (Flash. 3/2003).
  • Ether-1

  • Jim Andrews: Seattle Drift, 1997: Das DHTML-Gedicht beschreibt sein eigenes Wegdriften. Das Driften kann nur angehalten oder rückgängig gemacht werden, beeinflussbar ist es nicht. Andrews´ Kommentare befinden sich im Quellcode (3/2003).
  • Seattle Drift, English version

  • Jim Andrews: Aleph Null, 2011: Die Möglichkeiten von "Aleph Null", Farbmusik zu generieren, lassen sich über ein Interface mit "Sliders" ausloten. Mit der Eingabe der Zahl "1" (oder einem Klick auf das Aleph Null-Signet links oben) lässt sich das Slider-Interface aufrufen. Beim Überfahren der rechten unteren Zone mit dem Cursor öffnet sich die Gebrauchsanweisung. Die Gebrauchsanweisung erleichtert es, die Auswahl an Farben und Formen während der Generierung zu ändern (JavaScript, HTML5. Freie Software. 6/2013).
  • Aleph Null

  • Mauricio Arango: Vanishing Point, 2005: In einem Nachrichtenarchiv sind Meldungen über Tagesereignisse gespeichert, über die in den sieben größten Ländern der Welt in je ein bis zwei Tageszeitungen berichtet wurde. Eine Weltkarte ("Peter´s Projection Map") zeigt in Graustufen, über welche Länder wie viele Meldungen in den letzten 50 Tagen im Nachrichtenarchiv gespeichert wurden. RSS Feeds der Tageszeitungen liefern Kurzfassungen von Nachrichten, die chronologisch und nach Ländern sortiert abrufbar sind (PHP Scripts, Flash. 6/2007. 10/2009 nicht mehr im Netz).
  • Vanishing Point: France, 24.6.2007

  • Cory Arcangel: Data Diaries, 2003: Mit Quicktime wurden die Daten, die im Januar 2003 täglich durch den Arbeitsspeicher liefen, in Farb- und S/W-Animationen übersetzt. Gezielt anti-artistische Datenkonversion mit Ready-Made-Software. Arcangels RAM-Videos wurden kontrovers diskutiert (Quicktime. 3/2003).
  • Data Diaries, 28.1.2003

  • Burak Arikan: MYPOCKET, 2008: "MYPOCKET" zeigt die Folgen von Vorhersagen, die auf Grund von Wahrscheinlichkeitsrechnungen erstellt werden: Die Grundlage der Vorhersagen zukünftiger Banküberweisungen liefern Burak Arikans Überweisungen der letzten drei Jahre. Wenn Arikan die Vorhersagen in seine Lebensweise integriert, dann entsteht ein Zirkel zwischen Handeln und programmierten Vorhersagen. Grundlage dieses Zirkels ist die Angleichung der Lebensweise an die Quantifizierung und Digitalisierung des Alltags. "MYPOCKET" besteht aus "Transaction Graphs" zur Darstellung ausgeführter Überweisungen, einem RSS Feed zur Übertragung der Vorhersagen und einer Dokumentation von Überweisungsbelegen mit Stempel, welche die vorhergesagte Wahrscheinlichkeit angeben (Java, Flash, RSS Feed. 6/2013).
  • MYPOCKET

  • Michael Aschauer, Josef Deinhöfer, Maia Gusberti, Nik Thönen: ./logicaland, 2002: Das Weltmodell mit Statistiken startete im "first run" mit Daten des Jahres 2000, die UserInnen manipulieren können. Ein(e) UserIn kann mit seinen/ihren Eingaben keine für ihn/sie direkt erkennbaren Veränderungen hervorrufen, da nur die Veränderungen aller UserInnen registriert werden (freie Software: GNU GPL. 3/2003).
  • logicaland, Germany 2090

  • Babel (Chris Joseph): Turnbaby, 2002: Thomas Alva Edisons experimentelle Tanzbewegungsstudien (zwei Filme, Ende 19. Jhdt.) und ein Video von b´toch bet werden in simultanen Kurzsequenzen und Stills vorgestellt. Video und Filme zeigen kreiselnde Frauen. Laufende Bilder, Videosequenzen und durch Klick veränderbare Simultanpräsentationen fügen sich zu Netzvarianten der Foto- und Film-Montage. Die zur Kurzform reduzierte Historisierung des Zusammenhangs zwischen Kulturen der Körperbewegung und Mediengeschichte ist auch eine exemplarische Aktualisierung der im Netz verfügbaren visuellen Möglichkeiten (HTML, Flash, Real Audio, JavaScript, Image. 3/2003, 6/2013).
  • Turnbaby

  • René Bauer/Beat Suter: Apple in Space, 2004: Das Projekt erschafft Reinhard Döhls Apfelgedicht von 1965 und Johannes Auers worm applepie for doehl (1997) neu. Vom Apfel der Gedichte bleibt in "Apple in Space" nur eine Umrisszeichnung aus Verbindungslinien zwischen nummerierten Punkten. Die aktuellen Sucheingaben der Fireball Livesuche (deutsches Suchsystem, Livesuche im fortlaufenden Reload) `strömen´ im Streamfishing von links nach rechts. Klicks auf die Worte führen zu Suchresultaten in Fireball und angeklickte Worte erscheinen im Strom der Wörter blau, während rote Worte "potentielle Würmer" (René Bauer) sind: Gelangen diese in den Apfel, werden sie dort mit Begriffen aus dem Umfeld der Datenbank mit Dateien der Website von Reinhard Döhl (30 Zeichen im Text der Datenbank nach links und von dort 60 Zeichen nach rechts) `angereichert´. Wenn der Apfel gefüllt ist, entlässt er die aufgefangenen Worte und das Worteauffangen (als Fishing im Stream) beginnt von Neuem (Java. Das Flackern in PCs verschwindet in Macs. 6/2007).
  • Apple in Space

  • Mark Beasley: reply-all.org, 2008/Version II, 2009: Die Mailing List erleichtert das Schreiben von e-Mails, da sie Alternativen vorschlägt, wofür Texte der archivierten Mails als Resourcen eingesetzt werden. Die list.serv/mailing list-Software teilt einer Mail als Adressaten AutorInnen archivierter Mails nach Systemkriterien (Kriterien der Ähnlichkeit abgesandter Mails: Länge, Inhalt und die Häufigkeit gebrauchter Worte) zu. Die Vorschläge und die Adressierung verändern sich mit der Menge archivierter Mails. Archivierte Beiträge werden vom System modifiziert: Die Veränderungen werden mit eckigen Klammern markiert. Ein Bot generiert Twitter-Beiträge aus dem e-Mail-Archiv, die unter reply_all verfolgt werden können (Python, Javascript. 10/2009).
  • reply-all.org

  • Simon Biggs: Babel, 2001: 3D Projektionen von Zahlen des (in Bibliotheken verwendeten) Dewey Decimal Classification Systems sind durch Klickoperationen modifizierbar - und erscheinen modifiziert, weil die Operationen anderer UserInnen zu sehen sind. Klicks auf Zahlen öffnen Fenster zu ca. 1000 Websites, die Biggs den Zahlen zugeordnet hat. Diese Sites werden dem hierarchischen Gliederungssystem der Bibliotheken unterworfen. Der Fluss der Ziffernprojektionen führt die unübersehbare Vielfalt verfügbarer Daten vor und ermöglicht es gleichzeitig, in thematisch geordnete Websites einzutauchen. Zwischen Unübersichtlichkeit und geordneter Vielfalt sind die beiden Pole der Skala des Daten- und Imaginationsraums (3/2003).
  • Babel

  • Wafaa Bilal: Domestic Tension, 2007: Der Iraker Wafaa Bilal richtete in der Flatfile Gallery (Chicago) einen Raum mit Bett, zwei Tischen, Computer und Trainingsrad ein, um in ihm einen Monat lang zu leben. "Paintballs" mit gelber Farbe lagen in einer Schießvorrichtung, die über das Internet ausgelöst werden konnte. Die Website des Projektes zeigte die Bilder der Kamera auf der Schießvorrichtung und ermöglichte es, die "Paintballs" abzuschießen. Außerdem konnten ihre BesucherInnen miteinander in einem Chat kommunizieren. Bilal wollte an seinen Bruder erinnern, der in Irak von einer amerikanischen Missile getroffen wurde, und fragte sich, wie er in das sichere Amerika die irakische Situation importieren könnte (Vorläufer: Caleb Larsens Installation Monument (2006), die bereits auf Internet-Daten über getötete Personen mit Schüssen kleiner gelber Kugeln in einen Ausstellungsraum reagiert. 6/2013).
  • The Intruder

  • Natalie Bookchin: The Intruder, 1999: In Jorge Luis Borges´ Erzählung La Intrusa (1966) begehren zwei Brüder eine Frau. Bookchin übersetzt die Geschichte in ein Spiel mit zehn Levels. Die Erzählhandlungen des "shooting, fighting, catching, or colliding" (Bookchin, 2005) werden in Interfaces übersetzt, die teilweise Modifikationen von Game-Klassiker wie "Pong" oder "Space Invaders" sind. SpielerInnen werden in die Positionen von einem der Brüder oder ihres Opfers versetzt. Als Belohnung sind weitere Textpassagen zu hören. SpielerInnen gewinnen im Sinne der Fortsetzung der Handlung auch durch Verlieren. SpielerInnen müssen mehrfach die Position der Brüder einnehmen, für die schließlich die Ermordung der Begehrten die Lösung ihrer Bruderliebe ist (Shockwave. 6/2013).
  • The Intruder

  • Jonah Brucker-Cohen: Google Alert Loop, 2008: Google Nachrichten und Suchresultate können mit Google Alert als an die eigenen Interessen angepasste e-Mails empfangen werden. Brucker-Cohen leitet diese Meldungen weiter an einen Blog in Blogger.com (im Besitz von Google). Die in Google Alert bereits wiederholte Meldung wird im Blog noch einmal wiederholt und kann wiederum Inhalt des nur Google Services auswertenden Google Alert (und damit des Blog) werden. Die Strategie von Google, für die Verbreitung vieler Meldungen zu sorgen, wird in ihren Konsequenzen gezeigt: infinite Meldungsloops (10/2009).
  • Google Alert Loop

  • Büro Destruct/CUE/Humantools: Los Logos, 2002: Um sowohl Logos von Großkonzernen als auch Signets von kleineren Firmen und Geschäften zu archivieren, die in Folge der Konzentration auf wenige Korporationen mit vielen Filialen verschwinden, ist die Site Los Logos offen für Einsendungen von Aufnahmen, die Logo- und Signet-Fundstücke zeigen. Diese werden mit Angaben zum Fundort in eine virtuelle Logo-Stadt integriert. Die dreidimensionale Simulation eines urbanen Kontextes aus real aussterbenden Logos dient der Rekonstruktion der untergehenden lokalen Brechungen des Urbanen, welche die Logo-Kultur nicht unwesentlich prägten (JavaScript, Director). Ein Logo-Gedächtnis-Spiel erweitert die Design-Site (JavaScript, Flash. 3/2003).
  • Los Logos

  • Andrew C. Bulhak: The Postmodernism Generator, 2000: Vom 25.2.2000 bis zum 18.8.2003 produzierte der "Postmodernism Generator" 887238 Artikel. Er erstellt mit jedem Abruf einen neuen Text. Bulhak verwendet seine Dada Engine in einer von Joash Larios modifizierten Version, die Zufallsoperationen in syntaktischen Rekursionen ausführt. Der Generator lässt sich mit seiner Travestie postmoderner Theorie als Konsequenz des postmodernen Pastiche verstehen. Als Folge dieser Konsequenz legt der Generator eine Überschreitung des Denkrahmens `Postmoderne´ nahe (3/2003).
  • Postmodern Generator

  • Heath Bunting: _readme.html, own, be owned or remain invisible, 1997: Ein Artikel von James Flint in "The Daily Telegraph" über Bunting dient als Textquelle, um vorkommende Begriffe xyz mit http://www.xyz.com-URL-Adressen zu verlinken. Seit 1997 führen immer mehr dieser Links zu Websites. Ein NetArt-Klassiker (3/2003).
  • _readme.html

  • Ralf Chille: Capture the Map, 2003: Ein/e SpielerIn kann gegen den Rechner oder gegen andere SpielerInnen zu gewinnen versuchen. Für beide Parteien stehen je 64 blaue oder orange Nadeln ("pins") am Spielanfang bereit, die auf der Weltkarte nach Eingaben von Begriffen in Textfelder (links für die blaue Partei und rechts für orange) plaziert werden. Begriffe werden Orten mit Hilfe der NetGeo-Datenbank der Cooperative Association for Internet Data zugeordnet. Wem es gelingt, zuerst alle Nadeln zu plazieren, hat gewonnen. Wenn das Spiel vorher beendet wird, zählt der erzielte Punktestand (gemessen in "sticks", und bei gleichem Punktestand entscheidet, wer mehr "squares" bzw. "fields" besetzt und gesichert hat ("saved fields", siehe Introduction. Flash) (6/2007. 10/2009 nicht mehr im Netz).
  • Capture the Map

  • Paolo Cirio/Alessandro Ludovico: Face to Facebook, 2011: Nachdem Paolo Cirio und Alessandro Ludovico eine Million Profile Facebook entwendet haben, prüften sie diese auf ihre Brauchbarkeit für eine Dating-Website. Mit Hilfe eines Programmes zur Gesichtserkennung ordneten sie Geschlechtern und Kategorien wie "Smug Man" oder "Easy Going Woman" zu. Wer die Dating Site lovely-faces.com besucht, erhält Offerten für einen Zufallseinstieg in die Gruppen, die sich aus der Zuordnung ergaben. Facebook hat erwartungsgemäß mit Cease-and Desist-Aufforderungen reagiert, da "lovely-faces.com" Informationen wieder verwendet, auf die Facebook Copyright-Ansprüche erhebt. Über Facebook Messages können BesucherInnen von "lovely-faces.com" mit den abgebildeten Menschen kommunizieren (6/2013).
  • Face to Facebook

  • Nicolas Clauss: Le Cri, 2002: UserInnen können den Ablauf der Aktionen von Stéphane Copin und der Musik ("Piano Phenstec" mit Musik von Karlheinz Stockhausen) durch schnellere oder langsamere Klickfolgen bestimmen...als würden die Video-Layers beeinflussenden Klickbewegungen Lärmen und Schreien erzeugen, als würde der Performer auf schnellere Klickfolgen und lauter werdende Musik mit schnelleren Körperbewegungen reagieren, als zwänge ihn ein anschwellender Schmerz dazu (Director, JavaScript. 3/2003, 6/2007).
  • Le Cri

  • Wayne Clements: logo_wiki, 2007: WikiScanner von Virgil Griffith (2007) liefert die Daten für logo_wiki: Von den im WikiScanner erkennbaren Veränderungen von Wikipedia-Beiträgen durch anonyme AutorInnen, deren IP-Adressen sich zu Servern des Militärs, von Regierungen und zu Korporationen zurückverfolgen lassen, zeigt logo_wiki in Echtzeit die aktuellen an, und ersetzt das Wikipedia-Logo durch das Logo des Unternehmens oder der Institution, für das oder die geschrieben wird (Perl. 10/2009).
  • wiki_logo

  • Florian Cramer: Permutationen, Frühjahr 1996-1998: Cramer offeriert Wortkombinationsmaschinen, Proteusgedichte und andere literarische Zufallsverfahren in Web-Rekonstruktionen, die das Spiel mit Zufällen fortzusetzen erlauben. So lassen sich zum Beispiel das "Systema Infinitum" (Anonym, 1717) und Raymond Queneaus «Cent mille milliards de poèmes» auch in Cramers Webfassungen `erspielen´, während Tristan Tzaras Anleitung «pour faire un poème dadaiste» mittels Auswahl von Zeitungen, Eingaben von URL-Adressen oder Einschreibungen in ein Textfeld ausgeführt werden kann. In "Here comes everybody" liefert ein Textautomat nach der Wahl von Buchstaben Silben und nach der Wahl von Silben Silbenkombinationen als Wortfindungen. Als Rekursionsquelle zur Bildung von portmanteau-/Schachtelwörtern dient James Joyces "Finnegans Wake" (Perl, freie Software: GNU GPL. 3/2003).
  • Permutationen: Joyce/Cramer: Here Comes Everybody

  • Douglas Davis: The World´s First Collaborative Sentence, 1994: Der Klassiker der Netz-Mitschreibeprojekte addiert die Beiträge wie ein Cadavre exquis. Es gibt keinerlei Vorgaben, außer der Regel, dass Beiträge ohne Punkt enden müssen. Das Programm, das für die Befolgung dieser Regel sorgt, wurde von findigen UserInnen ausgetrickst. Die ca. 200.000 Beiträge sind in (im August 2003: 21) Seiten eingeteilt worden (3/2003. Meldung 6/2007: Netzwerk-Zeitüberschreitung. Dokumentiert im Internet Archive 10/2010).
  • How to Join in the World´s First Collaborative Sentence

  • Frédéric Durieu: Oeil complex, 2000: In der interessantesten Arbeit der Werkgruppe oeil pour oeil pour oeil verwandeln sich 3D-Augenkonstellationen durch Cursorbewegungen auf überraschende Weise (Director). Durieu gibt an, den Quellcode für dieses Beispiel "algorithmischer Poesie" mit der Funktion 1/ (a+bi) in einem Tag geschrieben zu haben (Interview mit Jim Andrews, Paris Connection. 3/2003).
  • Oeil complex

  • Jonathan Feinberg/Marek Walczak/Martin Wattenberg: Apartment, 2001: Eingegebene Worte aus dem Wohnbereich werden zwölf semantischen Kategorien zugeordnet, denen zwölf Wohnraumtypen entsprechen. Diese Zuordnung ist die Basis für die Generierung von Wohnungsgrundrissen, auf denen die Bezeichnungen der Wohnraumtypen sowie die eingegebenen Begriffe erscheinen und die gespeichert werden können. Auf den Grundrissen können eingegebene Begriffe auch animiert in Schlaufen erscheinen. Wohnungen können aus dem Archiv über Karten ("Cities") abgerufen werden, auf denen die gespeicherten Grundrisse in verschiedenen, von ihren Eigenschaften bestimmten Anordnungen erscheinen. Suchsysteme finden mit den eingegebenen Begriffen im Internet Bilder für die Generierung dreidimensionaler Körper. BeobachterInnen können sich durch die VRML-Körper bewegen und die eingegebenen Worte via Text-to-Speech Software hören (Java, VRML-Dateien z. B. mit FreeWRL oder Cortona und erstellte .wrl-Dateien öffnen in Firefox. 6/2007).
  • Apartment 2D Apartment 3D

  • Mary Flanagan: [six.circles], 2004: Zwei SpielerInnen schieben Dreiecke auf der Spielfläche übereinander und bilden Hexagone. Drei Dreiecke pro Hexagon müssen mit einem roten "x" infiziert werden, bevor sie mit zwei Kettengliedern geschlossen werden können. Die geschlossenen Hexagone erscheinen gelb. Zum Heilen zu stark infizierter Hexagone können grüne griechische Kreuze eingesetzt werden. Das nach Punkten gewinnbare Spiel wurde für die "Thank you" Show der Wooloo Organization entwickelt, um Geld für ein HIV-Ausbildungszentrum in Khayelitsha/Südafrika zu sammeln (Flash. 6/2007).
  • [six.circles]

  • Ben Fry: Anemone, 2000: Die Webinstallation einer "Spielzeug"-Version von "Anemone" führt die Struktur der Website der The Aesthetics + Computation Group (ACG, MIT Media Laboratory, Leitung: John Maeda) mittels einer Auswertung des User Logs vor. Die zweidimensionale Visualisierung mit den wachsenden Verästelungen, die einem "reproduction rule" folgen, und mit verschiebbaren, von einem "movement rule" koordinierten Zweigen ist ein Beispiel für das Konzept des Organic Information Design. Das Projekt "Anemone" dient dazu, BeobachterInnen die Orientierung in sich laufend verändernden und komplex strukturierten Websites zu erleichtern. Die Dicke der weißen Verbindungen zeigt die Häufigkeit ihres Abrufs an, während die orangenen Linien die Wege der BeobachterInnen der ACG-Site präsentieren. Mit Klicks auf Zweige und Linien öffnen sich die angezeigten URL-Adressen (C++, OpenGL, Java. 6/2007).
  • Anemone

  • Ben Grosser: Facebook Demetricator, 2012: Während Burak Arikan in "MyPocket" (2008, s. Kurztipp) die Folgen der Quantifizierung des Lebens für Statistiken und Vorhersagen anzeigt – Lebenswelt und Datenwelt durchdringen sich, bis Erstere von Letzterer bestimmt wird – werden in Ben Grossers Browserextension (für Google Chrome, Safari, Firefox mit Greasemonkey) die in Facebook integrierten Statistiken unsichtbar: Die Mengen an Freunden, Kommentaren und Zustimmungen ("like") werden verborgen (Javascript, jQuery. Open Source. 6/2013).
  • Facebook Demetricator

  • Guerillamarketing.it/molleindustria.it: where-next.com, 2005: Wer den Ort des nächsten Terroranschlags am präzisesten vorhersieht, der gewinnt: SpielerInnen klicken auf einer Welt- und Satellitenkarte den Standort an und wählen in dem Formular, das unter der Karte steht, eine der sechs Arten des Anschlags. Wenn in 48 Stunden mindestens 10 Zivilopfer in Nichtkriegsgebieten gemeldet werden, dann gewinnt, wer die präziseste Vorhersage gemacht hat (entscheidend: die Wahl der Art des Anschlags und die Genauigkeit der Lokalisierung). SiegerInnen werden gelbe T-Shirts zugeschickt, auf denen Ort, Zeit und eine Abbildung des Anschlags zusammen mit dem Satz "I predicted it" aufgedruckt sind. Gegen "political correctness" wird verstoßen, um die kapitalistische Logik des "Gewinne ohne Rücksicht auf Moral" und die Mittel der Unterhaltungsindustrie wie die Kombination von Spiel, Spektakel und Gewalt an einem prekären Fall ad absurdum führen zu können: Die realen Opfer werden im Spiel so wenig berücksichtigt wie zum Beispiel von der Waffen- und Computerspielindustrie (6/2007).
  • where-next.com

  • Jonathan Harris: Universe, 2007: Das Projekt ermöglicht assoziatives Springen durch Tagesmeldungen aus verschiedenen Zeitungen. Die Meldungen des amerikanischen News-Aggregators Daylife lassen sich mit Stichworteingaben abrufen. Ein Java-Applet bietet verschiedene grafische Möglichkeiten, die gefundenen Meldungen in Zusammenhängen zu sehen: In "Shapes" zum Beispiel erscheinen Schlagworte, als wären die Buchstaben Darstellungen von Sternkonstellationen am Firmament. Nach dem Klick auf einen der Begriffe kreisen die gefundenen Meldungen um eine Mitte, in der nach einem weiteren Klick die gewählte Meldung erscheint, und der nächste Klick auf diese Meldung ruft wiederum innerhalb des gewählten Zeitraums ("past day/past month/past year") weitere zum Titel (als Stichwortgeber) passende Meldungen auf. Links führen zu den Quellen der Meldungen in "Daylife" (Java, Processing. 6/2007).

    Universe George W. Bush: Secrets, 13.5.2007: Past Week

  • Tiffany Holmes: World Offset, 2008: Das Projekt animiert zum Einsparen von Kohlenstoff (CO2). Es bietet eine Liste an Einsparmöglichkeiten. TeilnehmerInnen können ihre geplanten Einsparungen bzw. Versprechen ("promise") anonym oder mit Username eintragen. Statistiken und eine Karte (Google API) zeigen den aktuellen Stand der Einsparungen an – wenn die Versprechen der Realität entsprechen. Das Projekt erleichtert TeilnehmerInnen eine freiwillige Selbstinstruierung. Sie entscheiden, ob die Grenze von der Datenwelt zur praktizierten Ökologie überschritten wird (10/2009).
  • World Offset

  • Brian House: Tanglr, 2013: Wenn "Tanglr" nach seiner Installierung als Google Chrome-Erweiterung aktiviert wird, dann wird sein/e AnwenderIn anonym mit einem/einer PartnerIn verbunden, den/die das System wählt. Jedem/jeder PartnerIn zeigt der Browser die Surfaktionen der anderen Seine an. Um noch im Web aktionsfähig zu sein, müssen beide Seiten Wege finden, zu kooperieren: Wer agiert, benötigt den/die PartnerIn, um die verlorene Kontrolle über den Browser wieder zu erlangen (Python, Tornado. Freie Software: GNU GPL. 6/2013).
  • Tanglr

  • Lisa Jevbratt/C5: 1:1(2), 1999/2001-2002: Die erste Database von 1999 bestand aus damals besetzten IP (Internet Protocol)-Adressen, die mit Crawlern ermittelt wurden. 2001-2002 wurde die Database im Bereich der 1999 ermittelten IP-Adressen aktualisiert. Die Adressenermittlung liess die Zugänglichkeit der Adressen unberücksichtigt. Fünf Interfaces ermöglichen verschiedene Zugänge zu den beiden Databases. Das Interface "Migration" zeigt die zwischen 1999 (rot) und 2001 (grün) veränderte IP-Adressenvergabe (3/2003).
  • 1:1(2) [migration]

  • Michael Joyce: Twelve Blue, 1996: Die multilineare Erzählung besteht aus "8 bars" als horizontale Textlinien, die wiederum vertikal in "12 threads" unterteilt sind. 96 (12 x 8) Textsegmente sind durch 169 Links verbunden. In den Segmenten der mit Storyspace (von Joyce in Pascal programmierte Software) entwickelten Hyperfiction kehren Wasser- und Farbmetaphorik ("blue") in 12 Monaten ("12 threads" von Dezember bis November) wieder. Die "12 threads" legen eine zeitliche Linearität in der Multilinearität fest und Joyces Textsegmente lassen fortschreitende Handlungsstränge erkennen (Heibach, Christiane: Literatur im Internet. Theorie und Praxis einer kooperativen Ästhetik. Diss. Universität Heidelberg 2000, S.260-266. Storyspace. 3/2003).
  • Twelve Blue

  • Carlos Katastrofsky: Area Research, 2004: Erscheinen in Neighbourhood Research (2004) nur zwei ip-Adressen als Nachbarschaft einer eingegebenen URL-Adresse, so informiert "area research" über 20 umliegende ip- und URL-Adressen. Hinter nicht wenigen dieser Links zu digitalen Nachbarn stehen Webseiten, zu denen der Zugang "forbidden" ist (6/2007).
  • Area Research

  • Mario Klingemann/Oleg Marakov: Islands of Consciousness, 2006: Ein Index rechts zeigt in kleinem Format die Bilder, die aus Flickr.com geladen und in großem Format als filmischer Bildstrom präsentiert werden. Die Bildauswahl erfolgt nicht rein zufällig: Mindestens ein Merkmal beziehungsweise "Tag" muss das folgende mit dem vorangegangenen Bild teilen. Die visuellen Effekte sind zufallsgeneriert. Die Musik wird aus einem Klangarchiv (40 MB Soundsamples) generiert. Dieser Soundtrack beeinflusst die Abfolge der sich wiederholenden Bilder und visuellen Effekte. Der Film entsteht in Echtzeit im Rechner der BeobachterInnen, also sehen BeobachterInnen vor verschiedenen Rechnern nie den gleichen Film (Flash, Flashr. 6/2007).
  • Islands of Consciousness

  • Nick Knouf: MAICGregator, 2009: Die Firefox Extension ersetzt Links und Fotos auf akademischen Webseiten via Data Mining durch externe Links und Fotos, welche die Verbindungen zu Sponsoren aus militärischen Komplexen und industriellen Bereichen anzeigen. Außerdem wird die Suche nach Informationen über Trustees unterstützt ("Current Alternative News"). Mit einem Klick auf Refresh kann die ursprüngliche Webseite angezeigt werden (Freie Software: GNU GPL V3 mit Veränderungen. 10/2009).
  • Homepage USC with MAICGregator

  • Steve Lambert: Add-Art, 2008: Das Plugin auf der Basis der Firefox Extension Adblock Plus (2006) ersetzt Werbung alle 2 Wochen durch neue Bilder von KünstlerInnen. Im Browser erscheint rechts oben ein rotes ADB-Logo. Ein Klick auf dieses Logo öffnet ein Menü, über das einzelne Add-Art-Elemente blockiert werden können (Perl, JavaScript, Open Source. 10/2009).
  • Add-Art: Muster

  • Olia Lialina: My boyfriend came back from the war, 1996: Die Seite ist zunächst in zwei Frames unterteilt. Links erscheint ein Frame mit zwei Bildfragmenten (ein Fenster und ein Paar) ohne Klickfunktionen. Der rechte Frame zeigt zuerst Lialinas Porträt und teilt sich dann von Klick zu Klick in weitere Frames mit Text- und Bildfragmenten. Zuletzt erscheinen lauter schwarze Frames, bis auf zwei Frames links und rechts. Auf der linken Seite bleibt der erste Frame unverändert, und rechts unten erscheint Lialinas Name mit mailto-Link. Klassiker der Frames-Anwendung (3/2003).
  • My boyfriend came back from the war

  • Les Liens Invisibles: Repetitionr, 2010: Man fülle das Petitionsformular aus und geben an, wie viele Signaturen erzeugt werden sollen. PetitionsautorInnen werden in e-Mails über den Fortschritt der Signaturproduktion unterrichtet. Mit "Repetitionr" lassen sich Petitionen vermeiden, denen die Zustimmung fehlt. Zustimmungsstastiken werden durch Sites wie "Repetitionr" fragwürdig (6/2013).
  • Repetitionr

  • Jonas Lund: The Paintshow, 2012: Paintshop.biz ist ein Webprogramm für das kollaborative Erstellen von Bildern mittels Mausbewegungen (vgl. Graphic Jam, 1999 von Andy Deck und Mark Napier). Wer den Prozess der Bilderstellung durch einen Klick auf "Sign & Sell the Painting" abbricht,kann mit einem Namen signieren, der dann eines der Anhaltspunkte für das Ranking in der Bildergalerie wird. Der Bekanntheitsgrad der von TeilnehmerInnen eingesetzten Künstlernamen wird mit Statistiken von Artfacts Ranking, Facebook Likes, Retweets und Google Page Rank ermittelt. Daraus ergibt sich die Reihenfolge der Bilder im online catalogue, und die/der Signierende erhält beim Verkauf den Erlös (nach Abzug der Unkosten). KäuferInnen können für jeden Entwurf eine Ausführung auf Leinwand bestellen. In der Paintshow (Studio des Stedelijk van Abbemuseum, Eindhoven, 12.-19.12.2012) hingen tausend Farbdrucke der ersten tausend Entwürfe im Ranking lückenlos über- und nebeneinander. KäuferInnen erhielten die Farbdrucke der Ausstellung sofort, und das verkaufte Bild wurde durch ein anderes ersetzt (6/2013).
  • The Paintshow

  • Michael Mandiberg: Oil Standard, 2006; Real Costs, 2007: Das Firefox Plug-in "Oil Standard" ändert Preise, die Webseiten in U.S. Dollar angeben, in aktuelle Rohölpreise (in "Barrel"). Mit den Rohölpreisen auf dem Ölmarkt ändern sich in Echtzeit die Warenpreise in "Barrel". In "Real Costs" entwickelt Mandiberg das Plug-in 2007 weiter: Es ersetzt Flugdaten in Websites von Fluglinien wie Orbitz.com, United.com und Delta.com durch Berechnungen des CO2-Ausstoßes. Die Luftverschmutzung von Reisen mit Bus oder Zug wird verglichen mit dem CO2-Ausstoß von Flugzeugen, welche die gleiche Strecke zurücklegen (Firefox Extension Greasemonkey. 6/2007).
  • Oil Standard

  • Pauline Masurel: Blue Hyacinth, 2002: Vier Kurzprosa-Texte erscheinen in verschiedenen Blautönen. Zwei vierfarbig unterteilte Quadrate bieten Klickflächen zum Abruf der Texte. Die Texte sind in je 30 Stücke unterteilt. Wenn der Cursor über einen als Ausgangspunkt gewählten Text bewegt wird, werden laufend andersfarbige Textstücke integriert. Im Quellcode erklärt Masurel die Integration von nummerierten Textstücken in "slices" (Stir Fry Indices auf Basis der DHTML innerHTML Methode). 1.152.921.504.606.846.976 Texte sind generierbar (3/2003).
  • Blue Hyacinth

  • Moddr Lab: Web 2.0 Suicide Machine, 2009: Mit der Website lassen sich private Einträge und Freund-Verbindungen von Facebook-, Myspace-, LinkedIn- und Twitterkonten entfernen. Das Passwort und das "profile picture" werden geändert. Facebookkonten werden nicht mehr auffindbar (aber nicht gelöscht). Facebook verlangt beim Registrieren, den Besitzanspruch des Unternehmens auf alle Einträge zu akzeptieren. Moddr Labs "Web 2.0 Suicide Machine" wie auch Les Liens Invisibles Seppukoo (2009) machen auf das Problem aufmerksam, dass die Registrierten mit ihren Beiträgen zwar kostenlos den Besitz von Facebook vermehren, dennoch können sie nicht frei darüber verfügen, wie ihre Beiträge gespeichert und verbreitet werden. Facebook verwies auf seine Besitzrechte, als es mit einer Cease- and Desist-Aufforderung an Moddr und Les Liens Invisibles reagierte (6/2013).
  • Web 2.0 Suicide Machine

  • Molleindustria: Free Culture Game, 2008: In diesem Spiel mit offenem Ende sind die TeilnehmerInnen an Open Source Kulturen von VertreterInnen eingekreist, die an Urheberrechts- & Patentverwertungen interessiert sind. Die Spieltaktiken stehen stellvertretend für aktivistische Taktiken, einen Sieg der Kommerzialisierung von Urheber- und Patentrechten zu verhindern (Flash. 10/2009).
  • Free Culture Game

  • Molleindustria: Phone Story, 2011: Eine vier Minispiele begleitende Stimme klärt über die Arbeitsbedingungen in verschiedenen Phasen der Produktion von Smartphones auf. So werden unter Anderem die Bedingungen beim Koltan-Surfen in der Demokratischen Republik Kongo und bei Foxconn in Taiwan vorgestellt, während der/die SpielerIn die Spielfunktionen eruiert und damit die vom Spiel nachgestellten Ziele der Arbeitgeber verfolgt. Die Komplizenschaft des Spielers/der Spielerin als Smartphone-BesitzerIn thematisieren die Versionen für Google Android, MacOS und Windows. Die iPhone-Version wurde von Apple zensiert und aus dem App Store verbannt. Der Preis von 73 Cent für die Android-Version dient der Unterstützung von Organisationen, die sich gegen die inhumanen Arbeitsbedingungen engagieren (6/2013).
  • Phone Story

  • Nick Montfort: ppg256 (Perl Poetry Generator in 256 characters), 2008-2012: Nick Montfort stellte "ppg256" in Texten vor, die Versionen des Codes enthalten, der in die "command line" zu übertragen ist. Montfort folgte dem Ziel von Perl Golf, möglichst kurze Programme zu schreiben, und erstellte einen möglichst kurzen Code aus 256 Buchstaben. Das Programm generiert Worte und kombiniert diese in Gedichten aus ein bis sieben Zeilen und Überschrift (Perl, 6/2013).
  • ppg256

  • Eduardo Navas: Traceblog, 2008: TrackMeNot wurde 2006 von Daniel C. Howe und Helen Nissenbaum entwickelt, um Data-Mining zur Erfassung privater Vorlieben ad absurdum zu führen: Die Firefox Extension erzeugt einen Überfluss an Suchanfragen, durch die eigene Logs – und so auch die sie leitenden Vorlieben – unerkannt bleiben. In Traceblog veröffentlicht Navas die Anfragen seiner von ihm mit dem Öffnen von Firefox gestarteten TrackMeNot-Anwendung in einer nicht leicht lesbaren und der Selbstdarstellung in Blogs entgegen gesetzten Art "to reference the actual form in which the logs would be stored in a database." So entsteht mit TrackMeNot in Blogger ein automatisierter Blog – ein Gegensatz zum Überfluss an Blogs mit Meinungsäußerungen. Blogger gehört Google, deren Suchmaschine wird von den Suchanfragen überfüttert und deren Verwertung für Google Ads und andere Google Services wird zwecklos (10/2009).
  • Traceblog

  • Nullpointer (Tom Betts): WebTracer, Version 1, 2001/Version 2, 2003: Version 2 des Browsers veranschaulicht die Links zwischen Seiten einer Website in einem dreidimensionalen Diagramm: Das grafische Gebilde aus Linien zwischen Kugeln verschiedener Größen und Farben, welche die Rolle von Webseiten in der Struktur der Site anzeigen, ist mit den Pfeiltasten drehbar und kann vergrößert sowie verkleinert werden. Die Kugeln zeigen beim Überfahren mit dem Cursor die Dateinamen der Webseiten an. In der ersten Version konnten diese Webseiten mit einem Klick geöffnet werden, in der zweiten Version geht dies nicht mehr. In den "Spider" der Version 2 wird eine URL-Adresse einer Website eingegeben, um Dateien mit Daten über die internen Links zu erstellen, welche der "Visualizer" für die Erstellung des Site-Diagramms benötigt (nur für PC. OPENGL, DirectX, C++. 6/2007).
  • Nullpointer Version 2

  • Julian Oliver: Border Bumping, 2012: Das Projekt besteht aus einer Application für Android Smartphones und einer Website mit einer Landkarte. Mit der Application lassen sich an Ländergrenzen die Differenzen zwischen mobiler Länderkennung und geographischem Grenzverlauf feststellen und dokumentieren. Eine Landkarte auf der Website des Projektes zeigt die Verschiebungen zwischen geographisch festgelegtem Grenzverlauf und von Smartphones angezeigtem, mit einem Wechsel des Dienstanbieters verbundener Grenze (6/2013).
  • Border Bumping

  • Josh On & The Futurefarmers: They Rule, 2001/2004/2011: Mehrere Diagramme zeigen Machtverhältnisse, die sich aus der Verteilung von Aufsichtsräten in Konzernen ergeben. Besonders leicht erkennbar wurden in der ersten Fassung von 2001 solche Verbindungen bei der Karte "Pepsi urs Coke". In der zweiten Fassung von 2004 lassen sich personelle Verbindungen zwischen Korporationen durch Sucheingaben abfragen, so zum Beispiel die Verbindungen zwischen "PepsiCo" und "Coca-Cola". Die in Popups erscheinenden Daten der verschiebbaren Aufsichtsrat-Icons sind von den AktivistInnen The Futurefarmers gesammelt worden, um Transparenz für ökonomische Machtverhältnisse zu erhalten und um dieses Wissen in Aktionen einsetzen zu können. Karten wurden 2004 aktualisiert. Seit 2011 liefert LittleSis.org Daten über die 1000 größten Firmen der USA für die Erstellung neuer Karten (Flash, PSP, MySQL. 3/2003, 6/2007, 6/2013).
  • They Rule 2001: PepsiCo urs Coke They Rule 2004: Connections PepsiCo - Coca-Cola

  • Trevor Paglen/The Institute for Applied Autonomy (IAA): terminalAir, 2007: Das Projekt stellt auf einer Weltkarte den Flugverkehr des CIA (Central Intelligence Agency, U.S.A.) zwischen kommerziellen Flughäfen und Militärstützpunkten vor. Diese Flüge sind Teil eines "extraordinary rendition program" und damit wichtiges Element der Ausführung illegalen Kidnappings zum Zweck des Verhörs von Verdächtigen mit Foltermethoden. Die "torture taxi data" sind chronologisch abrufbar und werden aktualisiert (Flash. 6/2007).
  • terminalAir

  • W. Bradford Paley: TextArc, 2002: Beziehungen zwischen Worten in literarischen Texten (exemplarisch in Shakespeares "Hamlet" und in Lewis Carrolls "Alice´s Adventures in Wonderland", aber auch in allen anderen eTexten des Project Gutenberg) werden graphisch als Linien in einem Oval dargestellt. Beispiel "Hamlet": Um so häufiger Wörter vorkommen, um so heller erscheinen sie. Wortumfelder (die Zusammenhänge, in denen sie wiederkehren) werden von grauen geraden Linien dargestellt. "Pairwise Associations" zeigt in lilafarbenen Bogenlinien die Reihenfolge der Wortvorkommen im Text und in orangen bis roten geraden Linien die wiederholten Verwendungen von Wortpaaren. Beziehungen zwischen Wortgruppen mit gemeinsamer Herkunft lassen sich unter "Show concordance" (auch über die Alt-Taste oder über Doppelklick) abrufen und werden mit geraden orangen Linien präsentiert (Java. 3/2003).
  • TextArc: Lewis Carroll

  • Dan Phiffer/Mushon Zer-Aviv: ShiftSpace, 2006-2011: Nach der Installation der Greasemonkey Firefox Extension, der ShiftSpace Applikation (Version 09, 14.6.2007) und der Registrierung können Webseiten annotiert werden und die Anmerkungen sind im Internet auf der annotierten Seite abrufbar. Mit Shift- und Space-Taste wird die Konsole aktiviert. Unter dem "§"-Zeichen erscheinen die Annotationen, die von TeilnehmerInnen erstellt wurden. Eine Liste aktueller Annotationen erscheint auf der Homepage des Projektes unter "latest shifted sites". Mit der Shift-Taste lässt sich das Shift-Menü mit den Buttons für Funktionswerkzeuge neben dem Cursor öffnen. Mit "Notes Space" können Anmerkungen geschrieben und mit "Highlight" markiert werden, während mit "Image Swap" Bilder auf den Webseiten durch Bilder ersetzt werden können, die vorher zum Beispiel in Flickr.com gespeichert wurden, und mit "Source Shift" kann der Quellcode geändert werden (Firefox Extension Greasemonkey, Javascript, PHP, SQLite, freie Software: GNU GPL. 6/2007. 6/2013: Website exisitiert nicht mehr. Die Entwicklung des Porjektes wurde 2011 eingestellt).
  • ShiftSpace

  • Jason Rohrer: Passage, 2007: Die "Passage" des Lebens führen SpielerInnen sich in der Spielzeit von fünf Minuten vor. Spielfiguren und -feld erscheinen in 8 Bit Optik. Das Spiel kann mit einer oder zwei Figuren gespielt werden. Zunächst erscheint ein horizontaler Gang, der aber mit den Pfeiltasten für vertikale Bewegungen verlassen werden kann. Dies kann vor oder nach der `Begegnung´ mit einer weiblichen Figur geschehen, die in letzterem Fall die zuerst erscheinende männliche Figur begleitet. Wie immer gespielt wird: Es kann nicht verhindert werden, dass weibliche und männliche Figur nacheinander sterben (mit mtPaint und SDL Library. Applikation mit 4,9 MB zum Download für Windows, Mac, Linux und iPhone. 10/2009).
  • Passage

  • John Simon Jr: Every Icon, 1996/97: Beim Start beginnt das System alle Varianten der Kombination weißer und schwarzer Quadrate in einem Raster mit 32 x 32 Quadraten durchzuspielen. Die Variationszeit bis zum Erreichen der letzten Variation, wenn alle Quadrate schwarz sind, beträgt bei dem mit Java programmierten System "several hundred trillion years." Das Werk ist rechner-, nicht vernetzungsbedingt. Der Klassiker der Computerkunst existiert in Varianten für Internet, Powerbook Monitor und Palm Pilot (3/2003).
  • Every Icon

  • Leonardo Solaas: Dreamlines, 2005: Auf Suchbegriff-Eingaben reagiert ein PHP-Skript mit einer Bildsuche. Ein Processing Applet übersetzt die vom Skript gefundenen Bilder nacheinander in autonome Partikel. Jedes Partikel verwendet den Farbwert eines vorangegangenen Partikels und leitet daraus Richtung und Geschwindigkeit seiner eigenen Entwicklung ab. Dabei wird durch Zufallsverfahren eine von acht Transformationsweisen gewählt. Die bis auf 1500 wachsenden Partikel folgen einer Bildähnlichkeit erzeugenden Dynamik (Processing, PHP, Flash im User Interface. 6/2013).
  • Dreamlines

  • Páll Thayer: On Everything, 2006: Das Projekt kombiniert zwei Ressourcen: Fotos von Flickr.com und Texte aus RSS Feeds von Blogger.com. Die Quellen werden von Perl-Scripts ausgewählt und mit Hilfe weiterer Scripts (in Perl und als Pure Data Patches) interpretiert. Sich aufbauende Zeichnungen mit kolorierten Flächen als Interpretation von Fotos aus dem Flickr-Archiv, Textproduktionen mit den Feeds-Quellen und mit Speech-Synthesis audiell interpretierte Texte (.mp3-Strom) sind drei simultan wahrnehmbare Stränge endlos fortsetzbarer Generierungen (Image Magick, Autotrace, Pure Data, Perl, Processing, Java u.a. Open Source. 6/2007).
  • On Everything

  • Roxana Torre: Personal World Map, 2005: Auf einer Weltkarte, die Kontinente als graue Flächen zeigt, können Hauptstädte der Welt durch Klick auf die gelb markierte Lokalisierung ins Kartenzentrum versetzt werden. Am oberen Kartenrand erscheint eine Leiste zur Bestimmung von Flugreisezielen durch die Wahl der Flugdauer und der Preise der Flugtickets. Die dann erscheinende Karte zeigt in konzentrischen Kreisen die Entfernungen der erreichbaren Orte ("Anamorphic Mapping"). Außerdem können auch Zeit oder Geld als Parameter der Kreise gewählt werden. Wenn die erreichbaren Orte mit dem Cursor berührt werden, erscheinen Reisepreis und -dauer (Flash, Python. 6/2007).
  • Personal World Map

  • UBERMORGEN.COM/Paolo Cirio/Alessandro Ludovico: GWEI – Google Will Eat Itself, 2005: Überweisungen von Google an Konten der Inhaber von Webseiten für die Freischaltung von Fenstern zur Nutzung durch das Textwerbung einsetzende AdSense-Programm werden genutzt, um möglichst viel Geld zu verdienen, das in Aktien von Google investiert wird. Die Aktien erhält die GTTP Ltd. (Google To The People Public Company) und verteilt sie an die Öffentlichkeit der NetzteilnehmerInnen. Ziel der Investitionen ist, Google aufzukaufen – durch nichts anderes, als durch die Gewinne, die sich mit Google erzielen lassen: Die Index-Seite von gwei.org gibt den aktuellen Stand der Aktien und ihren Wert an sowie die Zeit, die beim jetzigen Erwerbstempo für den Besitz aller Aktien benötigt werden würde. Das Verfahren, durch Klicks auf eine Webseite mit Googles Textwerbung eine Serie von Robotern zu aktivieren, welche die Klicks in einem Netwerk von Websites vermehren, hat die Rechtsabteilung von Google Germany zwar dazu veranlasst, Hans Bernhard in einem Einschreiben darauf hinzuweisen, dass die künstliche Generierung von "Klicks auf Anzeigen" nach den "Allgemeinen Geschäftsbedingungen von AdSense Online" verboten ist und Verstöße verfolgt werden. Google hat aber keine Anklage erhoben. Außerdem hat Google die für die Textwerbung von GWEI-Mitgliedern eingerichteten Websites (die als "decoy-accounts" eingesetzt wurden) vom AdSense-Programm ausgeschlossen, hat damit aber die Fortsetzung des Projektes nicht gefährdet (7/2007).
  • GWEI Diagram

  • Use All Five: Social Weather Mapping | Smalltalk, 2009: "Smalltalk" visualisiert Twitter-Einträge, in denen die Wetterzustände bezeichnenden Prädikate "sunny rainy snowy windy foggy" und deren Varianten als Verben oder Substantive vorkommen. Runde Flächen in (Begriffe für) Wetterbedingungen charakterisierenden Farben erscheinen an den Orten, an denen sich AutorInnen von Twitter-Beiträgen lokalisieren lassen. Die Karte bilden nicht geographische Merkmale, sondern Ortsnamen in geographischen Abständen. Die aktuellen Twitter-Einträge können auf der Karte abgerufen werden: Nach einem Klick auf einen der Kreise erscheint der Username, mit einem weiteren Klick erscheint dessen Eintrag mit Link zur Quelle in Twitter. Ein Live Feed zeigt unter der Karte den letzten (oben) und den vorletzten (unten) Eintrag an (Twitter Search API, JavaScript. 10/2009).
  • SmallTalk

  • Martin Wattenberg: A Net Art Idea Line, 2001: Fächerförmige Linien sind mit Bezeichnungen für Typen der NetArt versehen. Die Linienbreite nimmt mit der Menge der Beispiele zu. Bei Cursorbewegungen über die Linien verbreitern sich die Zwischenräume und es erscheinen Titel und – in Popups – Kurzbeschreibungen von Netzprojekten des jeweiligen Typs in chronologischer Folge. Links führen zu den Projekten. Java-Webdesign einer NetArt-Chronologie (Java. 3/2003).
  • A Net Art Idea Line

  • Laimonas Zakas: Glitchr, 2011: Text, der nicht den Zeilen folgt, sondern sich zu grafischen Patterns aus sich vom Wortzusammenhang verselbständigenden Buchstaben fügt, zeigt Laimonas Zakas unter "Glitchr" in Facebook, Twitter, Tumblr und Google+. Er führt so die Probleme der Programmierung von Social Networks im sie erzeugenden Medium vor. Durch seinen exklusiven Gebrauch von unicode characters provoziert Zakas die standardisierte (und teilweise inzwischen geänderte) Formatierung von Social Networks und erzeugt eine neue Variante Visueller Poesie (6/2013).
  • Glitchr Facebook

Seit August 2001 werden die Lektionen um Tipps ergänzt, die sich lediglich auf einzelne aktuelle Projekte und nicht – wie die Lektionen – auf Websites und einen grösseren Komplex von Webprojekten einer Künstlerin / eines Künstlers beziehen. Die Projekte werden kurz vorgestellt und teilweise in knapper Form diskutiert.
Seit März 2003 führen Kurztipps in maximal sechs Sätzen zu interessanten Projekten. Die Kurztipps sind keine vollständige Liste relevanter Netzprojekte, da die in den Lektionen, den Tipps und den Theorie-Beiträgen erörterten Werke nicht aufgeführt sind.



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